{"id":31,"date":"2014-03-06T21:24:56","date_gmt":"2014-03-06T20:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/schmidischreibt.ch\/?p=31"},"modified":"2014-03-06T21:24:56","modified_gmt":"2014-03-06T20:24:56","slug":"besuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schmidischreibt.ch\/?p=31","title":{"rendered":"Besuch"},"content":{"rendered":"<p>Hannes war auf dem Weg zu seinen Eltern. Er wohnte leider etwas weiter weg und musste gut und gerne zwei Stunden Autofahrt auf sich nehmen, wenn er die Beiden besuchen wollte. Doch das nahm er jeweils gerne auf sich. Er mochte die Besuche bei seinen Eltern sehr. Es brachte stets viele Erinnerungen hoch und oft kamen ihm dabei Dinge in den Sinn, die er l\u00e4ngst vergessen zu haben glaubte.<br \/>\nEr drehte das Radio auf. Passenderweise lief ein Song von den Rolling Stones. Seine Eltern liebten die Musik der Stones. Sie waren in ihren jungen Jahren \u00f6fters zusammen an Konzerte gegangen und hatten sich ja schliesslich auch an einem kennengelernt. Das war im Sommer 1967, soweit sich Hannes erinnern konnte. Ein Jahr sp\u00e4ter hatten die Beiden dann geheiratet. Das war damals durchaus ziemlich un\u00fcblich, dass nach so kurzer Zeit geheiratet wurde. Sein Vater sagte dazu immer schnippisch, dass man halt \u201ezuschlagen muss, solange das Essen noch heiss ist\u201c. Immer wenn er das sagte, musste seine Mutter herzhaft lachen und verdrehte die Augen.<br \/>\nHannes war inzwischen selber verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. Und es war tats\u00e4chlich so, wie man immer sagt. Man erkennt erst, was die eigenen Eltern f\u00fcr einen selbst getan haben, wenn man selber zum Elternteil wird. Vorhin realisiert man nicht mal ann\u00e4hernd, was f\u00fcr eine bedingungslose Liebe und Hingabe dahintersteckt.<br \/>\nSie liebten seine zwei Jungs abg\u00f6ttisch und hatten sie jeweils an Weihnachten mit mehr Geschenken eingedeckt, als wirklich gut war. Aber das war schon okay so. Dieses Recht durften sich Grosseltern wohl einfach rausnehmen. Als Hannes heute aus dem Haus ging und sich verabschiedete, wollten seine beiden Jungs ganz pl\u00f6tzlich auch mitkommen. Aber er musste ablehnen, heute wollte er seine Eltern mal wieder ganz alleine besuchen und \u00fcber alte Zeiten sprechen. Und nicht nur dar\u00fcber, was die Kinder die letzten Wochen so alles erlebt hatten.<\/p>\n<p>Er nahm nun die n\u00e4chste Ausfahrt und fuhr nach einem kurzen Landstrassenabschnitt in das Dorf, in dem er aufgewachsen war. Seine Eltern waren immer hier geblieben und hatten auch nie das Bed\u00fcrfnis, irgendwo sonst hinzugehen. Warum auch, es gefiel ihnen hier und es gab keinen Grund zur Ver\u00e4nderung.<br \/>\nHannes fuhr weiter und kam an seiner alten Schule vorbei. Es kamen immer dieselben Erinnerungen hoch, wenn er hier vorbeifuhr und hinter den B\u00e4umen das Schulhaus auftauchen sah. Einerseits, dass er auf dem Pausenplatz st\u00e4ndig von Peter und seinen Kumpels verpr\u00fcgelt wurde und andererseits, dass er hier mit Marie seinen ersten Kuss erlebte. Da hinten an diesem alten grossen Baum, der da immer noch stand. Seltsamerweise hatte er mit Peter noch immer regen Kontakt, mit Marie aber nicht mehr. Er hatte sie schon ziemlich bald nach dem Ende der Schulzeit aus den Augen verloren und nie mehr wieder etwas von ihr geh\u00f6rt. Mit Peter ging er ab und an ein Bier trinken und quatschte vornehmlich \u00fcber Fussball. Die Pr\u00fcgeleien fr\u00fcher sprach keiner jemals an.<br \/>\nHannes n\u00e4herte sich seinem Zielort, bog links ab und parkierte sein Auto. Er \u00f6ffnete die Wagent\u00fcre und stieg aus. Nachdem er seinen Wagen mit einem Druck auf die Funkfernbedienung abgeschlossen hatte, lief er zwischen grossen B\u00e4umen hindurch einen kurzen Kiesweg entlang, bis er zu einem Gartentor kam. Er \u00f6ffnete es und trat auf den gepflasterten Weg. Einige hundert Meter weiter blieb er stehen, ging langsam in die Knie und ber\u00fchrte sanft die beiden Grabsteine.<\/p>\n<p>\u201eHallo Mama. Hallo Papa.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannes war auf dem Weg zu seinen Eltern. Er wohnte leider etwas weiter weg und musste gut und gerne zwei Stunden Autofahrt auf sich nehmen, wenn er die Beiden besuchen wollte. Doch das nahm er jeweils gerne auf sich. Er mochte die Besuche bei seinen Eltern sehr. 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